Steinhaus und Frappart: Wenn Frauen Männer Spiele pfeifen

Am 14. August 2019 wird Fußball-Geschichte geschrieben. Wenn der FC Liverpool, amtierender Champions League Sieger, und der FC Chelsea, amtierender Europa League Sieger, im Vodafone Park in Beşiktaş, Istanbul, den UEFA Super Cup unter sich ausmachen, kommt es zu einer Premiere. Zum ersten Mal wird ein großes intereuropäisches Club Match von einer Schiedsrichterin geleitet. Die 35-jährige Französin Stéphanie Frappart wird den Super Cup pfeifen.

Steinhaus ebnet den Weg

Möglich wurde das unter anderem auch durch die Deutsche Bibiana Steinhaus. Steinhaus leitet seit der Saison 2017/18 Spiele in der Deutschen Bundesliga. Sie ist somit die erste Schiedsrichterin in einer europäischen Top Liga und hat gewissermaßen eine Vorreiterrolle inne. Die 40-jährige ist seit 1999 Schiedsrichterin beim DFB. In der Saison 2007/08 ist sie in die 2. Deutsche Bundesliga aufgestiegen. 10 Jahre später hat Steinhaus es geschafft: als weiblicher Referee in die oberste Spielklasse. Es war ein weiter Weg für die Deutsche. Oft hatte sie mit Sexismus und Vorurteilen zu kämpfen. Kerem Demiraby, zur damaligen Zeit Mittelfeld Spieler bei Fortuna Düsseldorf, sagte 2015 während eines Spiels zu Steinhaus, Frauen hätten keinen Platz im Fußball, nachdem sie ihm die gelbe Karte gezeigt hatte. Steinhaus ließ sich das nicht gefallen. Nachdem sie die Beleidigung im offiziellen Spielbericht eingetragen hatte, wurde Demiraby von der Liga für fünf Spiele gesperrt. Sie selbst möchte auf Grund von Leistung bewertet werden.

„Ich bin die ganze Frauen-/Männerdiskussion leid. Wer Leistung bringt, setzt sich durch. Vollkommen egal, ob der- oder diejenige blond ist, welche Hautfarbe man hat oder Mann oder Frau ist.“

 

Fußball
Der Ball liegt bei den Verbänden, Schiedsrichterinnen mehr Chancen zu geben; Copyright Sebastian Dub

Fußball ist Fußball

Leistung gebracht hat auch Stéphanie Frappart. Sie hat einen ähnlichen Weg hinter sich wie Steinhaus. Ab August 2014 pfiff sie als erste Frau Spiele in der französischen Ligue 2, fünf Jahre später leitete sie ein Ligue 1 Spiel. Wenig überraschend ein Novum in der höchsten Spielklasse Frankreichs. Nun also die große europäische Bühne. Frappart meint dazu: „Wir trainieren die ganze Zeit. Wir haben keine Angst, wir sind immer bereit. Für mich ist es [Männerfußball] dasselbe. Der Fußball ist derselbe, die Regeln sind dieselben.“ Liverpool Trainer Jürgen Klopp und Starverteidiger Virgil van Dijk begrüßen wie etliche andere die Entscheidung, Frappart das Spiel leiten zu lassen. „Es ist überfällig“, sagt Klopp. Van Dijk spricht auf einer Pressekonferenz davon, dass das Geschlecht irrelevant sei, hier auf Twitter nachzusehen:

Österreichische Hoffnungsträgerin

In Österreich wurden auch schon Spiele in der Bundesliga von einer Frau geleitet. Nicole Petignat, eine Schweizerin, pfiff von 2000 bis 2003 insgesamt vier Partien. Noch hatte keine Schiedsrichterin die Möglichkeit in Petignats Fußstapfen zu treten. Als große Hoffnung gilt die 30-Jährige Wienerin Sara Telek. Sie ist zurzeit in der 2. Liga als Schiedsrichterassistentin tätig. Ihr Ziel ist jedoch die Bundesliga. „Dafür müssen natürlich sämtliche Leistungen stimmen“, sagt sie. „Sofern ich alle Anforderungen zur Zufriedenheit des ÖFB erfülle, könnte ich dann vielleicht bereits 2020 in der Bundesliga an der Seitenlinie stehen.“ Und in weiterer Folge auch ein Spiel leiten. Bis dahin wird es aber noch dauern.

Ein Fußballfeld in Ottakring
In Österreich sucht man weibliche Schiris noch vergebens; Copyright Sebastian Dub

Steinhaus und Frappart haben diesen harten Weg schon hinter sich. Zwei Aushängeschilder der Branche und in Zukunft vielleicht einfach nur zwei von vielen.