Gewollte Unruhe im Mumok

Trampolin springen im Museum? Was unvorstellbar klingt, lässt sich in der Ausstellung „Museum als Unruheherd“ aktiv miterleben.

Still sein. Bloß nichts berühren. Räuspern statt Husten. So stellt sich der eine oder andere den typischen Museumsbesuch vor. Es muss aber nicht immer so sein. Das Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (Mumok) lädt mit der Ausstellung „Das Museum als Unruheherd“ dazu ein, aktiv zu werden und Spaß in die Hallen der Kunst zu bringen. Gleichzeitig ist sie eine Hommage an den langjährigen Direktor Alfred Schmeller. Über einen Museumsbesuch der etwas anderen Art.

Vergangenheit trifft Gegenwart

Nähert man sich der Ausstellung, hört man es schon von weitem: Das Gelächter und Herumspringen der Besucher. Im Zentrum der Ausstellung steht die Rekonstruktion des „Riesenbillard“ von Haus-Rucker-Co, die 1970 schon einmal ausgestellt wurde.

Riesenbillard-Rekonstruktion im Mumok
Das Riesenbillard kommt bei den Besuchern gut an. Copyright: Florian Koch

Die Konstruktion besteht aus einer 225m² großen Kunststoffinsel mit drei großen Kugeln. Benutzung ist ausdrücklich erwünscht: Um die 10-15 Besucher dürfen gleichzeitig für etwa 5 Minuten auf das überdimensionierte Trampolin steigen und sich auf wackeliges Terrain begeben. Dort springen sie herum, lassen sich fallen oder bewegen zusammen die großen Kugeln. So werden sie zu einem Teil der Kunst und erleben Skulptur „auf eine vollkommen neue Art“, wie das Museum auf Twitter schrieb.

Alfred Schmeller brachte neuen Wind ins Mumok

Alfred Schmellers Karriere war durchaus abwechslungsreich. Im
Art Club, einer Wiener Künstlervereinigung der Nachkriegszeit, engagierte er sich stark für die Autonomie der modernen Kunst. Lange Jahre arbeitete er als Redakteur für die Kulturzeitschrift magnum und als Kritiker bei der Tageszeitung Kurier. Auch als Landeskonservator für das Burgendland führte er ein Leben im Zeichen der Kunst. Im Jahr 1969 wurde er nach Werner Hofmann zweiter Direktor des 20er Hauses, aus dem schlussendlich das Museum moderner Kunst (MUMOK) hervorging. Sammeln, Bewahren und Forschen – Als neuer Direktor führte er die klassischen Aufgabenfelder des Museums fort. Seine Tätigkeit sah er jedoch als „gesamtkulturelle Arbeit“ an. Und er hatte Pläne und Visionen, die bis heute revolutionär bleiben sollten.

„Der Prater ist geschlossen. Kommen Sie ins Museum!“

Mit diesem plakativen Slogan bewarb Alfred Schmeller  die Ausstellung im Jahr 1970. Er wusste: Das Museum muss sich auch für jüngere Zielgruppen öffnen. Die Herausforderung für ein Museum sah er darin, die „Distanz zwischen den Menschen und der Kunst zu verringern“. Für Schmeller sollte ein Museum ein „Unruheherd“ sein, in dem man über viele Themen spricht. Ein Ort, an dem neben Ernst und Ruhe auch der Spaß nicht zu kurz kommt.

Dazu lud er bspw. die Wiener Festwochen dazu ein, das Avantgardefestival „Arena“ im Mumok zu veranstalten. Und organisierte Malaktionen, um die Jugend mit bunten Veranstaltungen ins Haus zu holen – und letztendlich für die Kunst zu begeistern. Schmellers Bemühungen um ein modernes, junges Programm wurden derart positiv wahrgenommen, dass man sie unter anderem als „Frontalangriff auf die gängige Art der Kunsterziehung“ betrachtete. Schaut man sich die glücklichen Besucher auf dem Riesenbillard an, kann man dem nur zustimmen.

Mumok-Schriftzug an der Außenfassade des Museums
Auch nachts ist das Mumok nicht zu verfehlen, der Schriftzug an der Außenfassade des Museums scheint hell. Copyright: Florian Koch

Ausstellung noch bis Februar geöffnet

Die von Susanne Neuburger und Nora Linser kuratierte Ausstellung ist noch bis zum 16.02.2020 geöffnet. Wer nicht auf dem Riesenbillard herumtollen möchte, kann einen Blick auf Schmellers wichtigste Ankäufe sowie Dokumentationen seiner Ausstellungen und Veranstaltungen werfen. Durch die Fotografien von Cora Pongracz und Peter Baum wird die aktuelle Ausstellung visuell in seinen historischen Kontext eingeordnet.

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es auf der Website des Mumok.